top of page

Schmittenpokal Task 1

  • 5. Juni
  • 2 Min. Lesezeit

Wer glaubt, Gleitschirmfliegen auf Weltklasseniveau sei nur ein entspanntes Dahingleiten im Aufwind, der wurde beim Auftakt des diesjährigen Schmittenpokals eines Besseren belehrt. Es war ein Tag, der alles bereithielt, was diesen Sport so faszinierend, unberechenbar und nervenaufreibend macht: Ein taktisches Pokerspiel gegen die Elemente, bei dem bis zur letzten Sekunde niemand wusste, ob überhaupt eine einzige Leine abhebt.


Am Start im Salzburger Pinzgau: Piloten aus fünf Nationen, die um wertvolle Weltranglistenpunkte kämpfen – und die österreichische Elite, die hier gleichzeitig den heißbegehrten Staatsmeistertitel ausfliegt.



Das Aufbäumen nach dem Regen


Nachdem der Mittwoch aufgrund der nassen Wetterfront komplett ins Wasser gefallen war, brannte das Organisationsteam darauf, das sogenannte „Rückseitenwetter“ eiskalt auszunutzen. Am Donnerstagmorgen sah zunächst auch alles nach einem Bilderbuch-Tag aus: Die Sonne strahlte, das Morning Briefing versprach eine phänomenale Operationshöhe von bis zu 2.700 Metern und die Stimmung im Team war am Anschlag.


Per Exklusivfahrt mit dem zellamseeXpress ging es für die Athleten hinauf auf die Schmittenhöhe. Doch wer die Alpen kennt, weiß: Die Berge schreiben ihre eigenen Gesetze.



Wenn das Wetter die Pläne durchkreuzt


Kaum am Startplatz angekommen, verflog die anfängliche Euphorie. Der Himmel zog mit hoher Bewölkung zu, die Sonne versteckte sich und ein lebhafter, tückischer Ostwind fegte über die Kreuze. Die Thermik? Nahezu komplett weggeblasen.

Hinter den Kulissen rauchten die Köpfe. Das Task Komitee stand vor einer Mammutaufgabe. Routen wurden verworfen, neu berechnet und wieder angepasst. Die Uhr tickte unbarmherzig. Würde das Event schon wieder am Boden enden?


Die Erlösung um 13:30 Uhr: Das Fenster öffnete sich minimal. Startfreigabe! Das Komitee schickte die Piloten auf eine extrem knifflige, 65 Kilometer lange Route, die im Winter als eine der größten Skirunden der Alpen bekannt ist: „Saalbach The Challenge“ – diesmal allerdings aus der Vogelperspektive. Die Aufgabe: Von der Schmittenhöhe im Tiefflug rüber zum Großen Asitz nach Leogang und von dort aus die Skirunde aus der Luft jagen.



Der Schlüssel zum Erfolg: Nerven aus Stahl und Zentimeterarbeit


Ohne großflächige Thermik war das Fliegen pure Zentimeterarbeit. Die Piloten mussten wie Detektive agieren: Jeden kleinen Sonnenstrahl erhaschen, der kurz durch die Wolkendecke blinzelte, um mini-kleine, zerrissene Aufwindquellen zu nutzen. Ein falscher Kreis, eine falsche Entscheidung beim Vorfliegen – und der Tag endete vorzeitig auf einer Landewiese im Tal.


Das Podium und der Griff in die Trickkiste


Im absoluten Herzschlagfinale des Führungspulks bewies ein Trio die stärksten Nerven. Der Deutsche Samuel Tanner flog allen davon und sicherte sich den Tagessieg. Nur haarscharf dahinter landeten der Steirer Gerhard Neuhold und der Pole Krzysztof Maciejczuk.


Die Erleichterung im Zielbereich war greifbar. Gerhard Neuhold brachte den Tag im Interview perfekt auf den Punkt:

„So wirklich haben wir nicht mehr an einen Task geglaubt. Aber das Task Komitee mit Thomas Brandlehner und Daniel Tyrkas hat da wirklich tief in die Trickkiste gegriffen. Die Aufgabe war teils echt knifflig, hat uns aber das absolute Maximum aus diesem Tag herausgeholt!“


Wie geht es weiter?


Nach dem Krimi ist vor der nächsten Front. Der heutige Freitag startet mit einer Kaltfront und Regen, weshalb die Piloten am Boden bleiben müssen. Doch die Vorhersage verspricht Besserung: Am Samstag, den 6. Juni, soll der Wettkampf in die nächste Runde gehen.


Eines ist nach diesem ersten Task sicher: Wer hier am Ende ganz oben stehen will, braucht nicht nur den besten Schirm, sondern auch den unbändigen Willen, niemals aufzugeben!



Kommentare


bottom of page